KUNSTLANDSCHAFT SPANDAU
Disziplinierung von Kindern mit Psychodrogen

Der Spielfilm "Keine Zeit für Träume" (Regie: Christine Hartmann) wirkte wie ein Horror- / Werbefilm der Pharmaindustrie: Im Test hatte das Kind einen Gang geradeaus durchlaufen sollen, aber hinter jede der seitlichen Türen geguckt. Eltern wollten nicht verstehen, dass ein hoch intelligentes Kind im Schulunterricht versagen kann. Das Kind sah ein, dass es Ritalin braucht, um den Familienfrieden zu retten, "Andere Kinder brauchen Insulin." Der Wirkmechanismus von Ritalin ist bisher nicht genau bekannt. Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung schickte Informationsmaterial, in dem Warnungen vor Ritalinverordnungen spätestens seit 2013 verankert sind, es verwies an die KV und Ärztekammer, sie habe die Aufsichtspflicht. Laut Bulletin des Paul-Ehrlich-Instituts zur Arzneimittelsicherheit wurde 2006 mehr als jedes zehnte Kind im Alter von 6 - 17 Jahren mit Ritalinverordnungen konfrontiert, zwei Jahre später stiegen die Zahlen im Bereich der Privatversicherten um 39 %, die verordnete Tagesdosis um 60,7 %.

Ritalin wurde/wird verordnet bei "Störung der Aufmerksamkeit mit Mangel an Ausdauer bei Beschäftigungen und die Tendenz, Tätigkeiten zu wechseln, -bevor sie zu Ende gebracht worden, - unruhiges Verhalten, insbesondere mit Unfähigkeit, still zu sitzen, - Impulsivität, z.B. mit abrupten motorischen und / oder verbalen Aktionen, die nicht in den sozialen Kontext passen." Ritalin hatte/hat eine systemkonforme Disziplinierung, aber auch Wachstums-, Sexualstörungen und langfristig psychische Destabilisierungen zur Folge.

Kinder sind lebhaft oder verträumt, psychisch verletzt oder durchleben die Wechselgefühle der Pubertät. Laut Direktorin der Kinder- und Jugendpsychiatrie / Charité sind 90 % der ADHS-Diagnosen falsch. Der Begründer des Krankheitsbegriffs ADHS sagte auf dem Sterbebett, ADHS sei ein Paradebeispiel für eine fabrizierte Erkrankung, laut Spiegel sind die Verschreibungen von Ritalin von 34 Kilogramm im Jahre 1993, auf Jahr 1760 Kilogramm im Jahr 2011 angestiegen. Die Pharmaindustrie profitiert.

"Wir erlebten mehrfach, wie schwer gestört wirkende Kinder und Jugendliche sich durch Kritik gekoppelt mit Lob und Verantwortungszuweisung in einem Gemeinschaftsprojekt sichtbar und anhaltend verwandelten. Sie wirkten wie entzaubert." Jedes Jahr wird hunderttausenden Kindern in Deutschland das Gefühl vermittelt, dass sie krank sind und dass soziale Probleme mit Medikamenten lösbar sein könnten.

Der Kinderschutzbund habe das Thema Medikamentenmissbrauch nicht auf der Tagesordnung - dem Pressesprecher des Kinderhilfswerks, Uwe Kamp, ist die Problematik hingegen bewusst:
"Grundsätzlich fehlt Kindern immer mehr die Möglichkeit, ihre Spuren zu hinterlassen. Das ist ganz wesentlich für ihre Entwicklung. Heutzutage leben sie in einer Welt, in der ihre gesamten Erlebnisse bewertet und abgeheftet werden, von der Kita bis zur Schule. Wissenschaftler sprechen inzwischen von einer sozioemotionalen Kompetenz, die sich nicht mehr ausprägt. Kinder wissen sehr wenig über sich selbst, sie haben weniger Zutrauen. Wenn man ein Baumhaus oder einen Staudamm baut, verschafft einem das Selbstvertrauen. Kinder heute sind zerbrechlicher, weil sie schwerer innerliche Stärke entwickeln können. Ihre Bewertung hängt immer von außen ab, von Erwachsenen, von Erzieherinnen, von Lehrern. Kinder lachen abends beim Vorlesen mit ihren Eltern über die Streiche von Michel aus Lönneberga. Sollten sie sich aber am nächsten Morgen so aufführen wie Michel, werden sie sich im Wartezimmer eines ADHS-Spezialisten wieder finden. Tom Sawyer gälte wahrscheinlich als hoffnungslos schwererziehbar." Überaktive Kinder werden heutzutage nur als Problemfälle gesehen. Wenn jedes vierte Kind unter acht Jahren schon bei einem Therapeuten war, sagt das mehr aus über die Ängste der Eltern als über das Wesen ihrer Kinder.

Ein Vater sagte über ein Kind, das wegen zu schweren Rechenaufgaben weinte: "Es werden noch viele Tränen fließen. Es muss lernen, sich selbst zu quälen. Ich quäle mich auch." Der Psychiater Michael Schulte-Markwort thematisiert in seinem Buch "Born out kids" / Pattloch-Verlag, dass sich Burnoutprozesse in Eltern, Lehrern, Pädagogen auf Kinder übertragen.
Er berichtet einfühlsam und mitfühlend über Begegnungen mit Kindern, die von den gegenwärtig wirtschaftsorientierten gesellschaftlichen Prozessen überfordert sind wie Eltern und Lehrer. Aber er plädiert für mehr psychiatrische Vorsorgeuntersuchungen, sein Therapieplan sieht Pharmaka als Antidepressiva vor. Ziel aber müsste es sein, durch sozialpolitische Veränderungen die Psychiatrie weitgehend überflüssig zu machen. Das Wichtigste an seinem Buch ist die Beteuerung, dass Kinder sich in ihren Eltern verwurzelt wahrnehmen, sie wollen, dass Eltern glücklich sind, selbst glücklich sein zu können.

Es gibt andere Thesen für die zunehmende Überaktivität und Unteraktivität von Kindern: Reizüberflutungen provozieren körpereigene Adrenalin- und Morphinausschüttungen.
Kinder, die laut Schlaflaborforschung nachts ungenügend atmen, sind am Tag müde, auf ungenügende Erholungsphasen reagiert der Körper sowohl mit Hektik als auch Schläfrigkeit.


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