KUNSTLANDSCHAFT SPANDAU
Märchen der Roma und Sinti

 
Zwei Männer klauen einem Schlafenden den Esel. Damit der Mann nicht die Polizei ruft, behauptet einer der Diebe, er sei verzaubert gewesen und habe ihm als Esel jahrelang dienen müssen, der Mann hat Mitleid und ein schlechtes Gewissen. Die einen nennen List, was andere Betrug nennen. Die Bezeichnung Unternehmer klingt zwiespältig, Kapitalist auch, Politiker auch - Zigeuner auch. Das Wort erinnert an Armut, Diebstahl, Betrug, aber auch an Stolz, Hilfsbereitschaft, Lebenslust. Wer Märchen der Roma und Sinti sucht, findet sie unter dem Begriff Zigeunermärchen. In ihnen gibt es eine Vielzahl Könige, Königinnen und Prinzessinen, mit denen Roma und Sinti gleichwertig Umgang haben. Prinzessinen wollen lieber sterben, als einen Roma, der sie körperlich verführt hat, nicht heiraten. Obwohl Märchen gewöhnlich von Erwachsenen erzählt werden, wird in ihnen häufig davon gesprochen, dass Eltern Kinder im Stich ließen, Kinder mussten selbständig einen Weg finden, zu überleben, es macht sie selbstbewusst, stolz. In den aufgezeichneten Märchen gibt es Andeutungen von Sexszenen, - sie wurden nicht nur Kindern erzählt. Die Texte wecken Fantasien von Nacht, Sternen, Lagerfeuer und Glut und einer Erzählerstimme, Flammen scheinen Fantasiewesen, Glut leuchtet wie Gold. Die Märchen, die im Internet sind, wirken klischeehaft. 1. 2.

Nimm einen Alltagstext und ersetze Worte wie Mutter und Vater, Lehrerin, Politiker... durch König oder Königin, Worte wie Kind, Bruder, Schwester, Schüler, Bürger, Hunde... durch Prinz und Prinzessin. Spürst du die Verwandlung?

Die Königin schiebt einen Kinderwagen, der König geht in die Fabrik, der Prinz bekleckert sich, die Prinzessin hat in die Windeln gekackt...

Vertreter von Roma und Sinti sagten, dass sie keine Märchen veröffentlichen, weil ihre Märchen erzählt werden müssen.

Spielt Stille Post! Setzt euch im Kreis! Der erste flüstert dem Nachbarn den ersten Satz einer Geschichte, die niemand anderes kennt, ins Ohr, der zweite flüstert den Satz ins Ohr des Nachbarn,... dann der zweite Satz... der letzte erzählt die Geschichte laut und so, wie er sie verstanden hat.


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